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Widerstand gegen Veränderung? Was jeden DiSG®‑Stil im Wandel antreibt

Wer den Antrieb kennt, nimmt das Team mit

Illustration: Menschen helfen einander eine Treppe hinauf
Kurz gesagt:Hinter Widerstand steckt meist ein Antrieb, und jeder DiSG®-Stil hat einen anderen.
Das Wichtigste in Kürze

Für Führungskräfte und HR, die eine Veränderung durch ihr Team bringen: Was dabei wie Widerstand aussieht, ist meist ein Antrieb, der sich bedroht fühlt. Jeder DiSG®-Stil hat seinen eigenen, von „Gestaltungsfreiheit“ bis „Harmonie“.

  • Verstehen Die acht Antriebe hinter den zwölf DiSG®-Stilen.
  • Anwenden Was jedem Stil eine Veränderung leichter oder schwerer macht.
  • Wirkung Eine Teamsitzung, in der alle sagen, was sie brauchen.

Von Philipp Kaiblinger

DiSG®-Stil DG · Geschäftsführer von disgprofil.eu, macht Lernsysteme wie Everything DiSG® für Organisationen einfach anwendbar.

Veröffentlicht am 28. Oktober 2026 15 Min. Lesezeit

Wer gerade ein Team durch eine Umstrukturierung, ein neues System oder die nächste KI-Welle führt, kennt den Moment, in dem die Veränderung verkündet wird. Die eine hat drei Ideen, bevor die Folie zu Ende ist. Der andere will die Begründung hören, und zwar die echte. Ein Dritter wird still, und eine Vierte fragt, was aus dem Team wird. Was davon nach Widerstand aussieht, ist meistens keiner. Es ist ein Bedürfnis, das sich meldet, und bei jedem Menschen ist es ein anderes.

Widerstand muss man überwinden, auf ein Bedürfnis kann man eingehen, wenn man weiß, welches es ist. Eine Antwort darauf, welches Bedürfnis hinter welchem DiSG®-Stil steckt, habe ich im Oktober 2026 vom Everything DiSG® Partnerkongress mitgebracht, aus Vorträgen und Gesprächen mit Mark Scullard, Psychologe und Mitautor des wissenschaftlichen Handbuchs zu Everything DiSG®. Sie hat mich überzeugt, und ich gebe sie hier weiter: was jeden der zwölf DiSG®-Stile im Wandel antreibt und was ihm eine Veränderung leichter oder schwerer macht. Am Ende haben Sie vier Fragen für Ihre nächste Ankündigung und einen Ablauf für eine Teamsitzung, in der alle sagen, was sie brauchen.

Kurz erklärt

DiSG® beschreibt mit zwei Achsen, wie Menschen bei der Arbeit vorgehen: eher schnell oder eher bedacht, eher auf Aufgaben oder eher auf Menschen ausgerichtet. Daraus entstehen die vier Grundstile D, i, S und G und auf dem Kreis dazwischen Mischstile wie Di oder SG, zusammen zwölf Stile.

Profil heißt der persönliche Bericht nach einem Fragebogen von 10 bis 15 Minuten. Er beschreibt den eigenen Stil und wie er auf andere wirkt.

Antrieb nenne ich hier, was hinter einem Stil steht und das Verhalten lenkt. Für erfahrene DiSG®-Anwender ist das der neue Teil: Das Profil zeigt, wie jemand vorgeht, der Antrieb erklärt, warum.

Zum Nachlesen: Was ist DiSG®? und Die zwölf Stile erklärt

Kapitel 1 von 6Der Schwerpunkt

Was hat Sorgfalt mit Zurückhaltung zu tun?

Beim G-Stil eine ganze Menge, und an genau dieser Frage zeigt sich, was hinter jedem DiSG®-Stil steckt.

Im Fragebogen erkennt man den G-Stil an einer bunt gemischten Gruppe von Aussagen. Manche handeln von Genauigkeit, andere davon, wie zurückhaltend und privat jemand ist. Deshalb ist der G-Stil von allen Stilen am schwersten zu messen. Ein Fragebogen ist dann verlässlich, wenn alle Aussagen eines Stils auf etwas Gemeinsames zielen, und was Genauigkeit mit Zurückhaltung gemeinsam hat, ist nicht offensichtlich. Die Frage ist deshalb: Was ist der Schwerpunkt dieses Stils, der eine Antrieb, um den sich all diese Verhaltensweisen ordnen? Diese Frage lässt sich für jeden der zwölf Stile stellen.

Wer den Antrieb kennt, versteht auch das Verhalten an der Oberfläche. Bleibt er unerkannt und ist er sehr stark, folgt man ihm manchmal zu starr, statt zu sehen, was die Situation braucht. Emotionale Intelligenz heißt hier: zu erkennen, welches Verhalten in einer Situation gesund wäre, und sich dann dazu zu bringen, es auch zu tun. Oft ist es genau dieser Antrieb, der uns daran hindert.

Die Antriebe sind Hypothesen. Für solche Fragen ist eine Antwort aus der Forschung schwer zu haben, und Ihre eigene Antwort kann ganz anders ausfallen. Prüfen Sie sie an Ihrer eigenen Erfahrung und Ihrer Erfahrung mit dem Modell.

Der G-Stil will es richtig machen

Hinter dem G-Stil steht ein sehr starker Antrieb: es richtig zu machen. An der Oberfläche klingt das nach einer Nebensache, Genauigkeit ist eben wichtig. Aber was richtig ist und was falsch, gehört zu den ersten Dingen, die wir als Kinder lernen. Für manche Menschen rückt es ins Zentrum. Dann wird es fast zu einer moralischen Pflicht: „Ich darf nie die Quelle falscher Informationen sein. Es gibt so viel Inkompetenz und so viel Falsches in der Welt. Von mir soll nichts davon kommen.“ Emotional wiegt deshalb die Kehrseite noch schwerer: bloß nichts falsch machen.

Wer vor allem nichts falsch machen will, geht an einen neuen Menschen oder eine neue Situation heran, indem er einen Schritt zurücktritt und nachdenkt. Das ist die analytische Haltung. Ihr Gegenteil wäre, sich hineinzustürzen und zu fühlen, also zu erleben. Damit erklärt sich auch die Zurückhaltung: Wer nichts falsch machen will, kann eine Grenze um sich ziehen, einen geschützten Raum, in dem er in Ruhe nachdenken kann. Gesellige Runden sind das Gegenteil davon: so viele Unbekannte, so vieles, was schiefgehen kann, so viel, das man gleichzeitig verarbeiten muss. Das erschöpft.

In einer Veränderung stellen Menschen mit G-Stil die nötigen Fragen und gehen offenen Punkten auf den Grund, bevor sie Probleme verursachen. Sie zerlegen Kompliziertes, bis alle sehen, womit sie es zu tun haben. Schwierig wird es, wenn eine Ungereimtheit offen bleibt: Dann fällt es ihnen schwer, die große Richtung mitzutragen. Jemand mit G-Stil könnte seiner Führungskraft sagen: „Lassen Sie uns darüber sprechen, dass Sie erwarten, dass ich etwas mittrage, bevor ich es prüfen konnte.“ Und wer so viel Wert auf Richtigkeit legt, geht besonders hart mit sich ins Gericht, wenn er selbst etwas übersehen hat. Ihnen hilft eine Führung, die klar sagt, was sie weiß und was nicht.

Kapitel 2 von 6Die acht Antriebe

Was treibt die übrigen DiSG®-Stile im Wandel an?

Acht Antriebe gibt es insgesamt, einen für jede Region des Kreises. Benachbarte Stile wie Di und iD teilen sich ihren Antrieb, deshalb sind es bei zwölf Stilen nur acht. Im Everything DiSG®-Kreis steht D oben links, i oben rechts, S unten rechts und G unten links, die Mischstile liegen dazwischen. Ich gehe vom G-Stil aus gegen den Uhrzeigersinn einmal um den Kreis. Eine übersichtliche Darstellung des „Warum?“ hinter dem Verhalten in Change-Prozessen, übliche Reaktionen und Tipps für Organisationen im Umgang damit finden Sie im beiliegenden interaktiven Handout. Darin spricht jeder Stil in der Ich-Form, gegliedert in „Was mich antreibt“, „Wenn ich in Bestform bin“, „Wenn der Frust überhandnimmt“ und „Die Organisation kann es leichter oder schwerer machen“.

GS und SG brauchen Stabilität

Ganz unten im Kreis, zwischen G und S, geht es um einen der ursprünglichsten Antriebe: Stabilität, festen Boden unter den Füßen. Bevor Menschen mit diesen Stilen einen Schritt ins Unbekannte machen, wollen sie wissen, dass der Boden trägt. Deshalb gehen sie vorsichtig auf Unbekanntes zu und halten inne, um Risiken abzuwägen. Diese Vorsicht ist tief im Nervensystem angelegt, mehr dazu am Ende des Artikels.

Große Umbrüche machen ihnen selten Freude, aber sie bringen Ordnung in die Unsicherheit, denken voraus, was gebraucht wird, und schützen, was bereits funktioniert, statt anzunehmen, dass sich alles ändern muss. Wird es ihnen zu viel, feilen sie weiter am Plan, obwohl sie längst bereit wären, und unterschätzen, wie gut sie sich anpassen.

Die Liste dessen, was hilft, ist kurz: genug Informationen, Raum zum Nachdenken, Zeit und die Möglichkeit, den neuen Weg zu erproben, bevor man sich festlegt. Schwer wird es, wenn Führung nachvollziehbare Fragen wie Widerstand behandelt.

Der S-Stil sucht Harmonie

Wer einen S-Stil hat, unterschätzt oft, wie stark ihn Harmonie antreibt. Dabei erklärt dieser Antrieb vieles am eigenen Verhalten. Harmonie ist nicht der einzige Antrieb, aber ein wichtiger. Gerade in jungen Jahren ist er oft besonders stark, und er steuert das Verhalten, ganz gleich, was die Situation verlangt. Zum Reiferwerden gehört, ihn ein Stück loszulassen: Man erlebt mit der Zeit, dass etwas auch ohne Harmonie gut ausgeht, und wird nachsichtiger mit sich selbst.

Das Dilemma dieses Stils lässt sich in ein Bild fassen. Menschen mit S-Stil wollen das emotionale Klima steuern. Entscheidungen an sich zu ziehen, liegt ihnen aber nicht. Das ist, als solle man ein Auto in eine Richtung lenken, ohne das Lenkrad zu benutzen. Also haben sie unauffällige, fast heimliche Wege gefunden, die Stimmung trotzdem zu lenken, und zwar über das Einzige, was sie ohne Lenkrad steuern können: ihr eigenes Verhalten. Sie bringen Ruhe hinein und halten zusätzliche Unruhe vom Team fern. Je stärker Harmonie sie antreibt, desto öfter tun sie das, auch dort, wo es gar nicht nötig wäre. Von außen sieht das unaufgeregt aus. Für Menschen mit S-Stil ist es anstrengend.

Doch dieses Verhalten ist nur die Spitze des Eisbergs. Noch mehr Kraft kostet, was darunter liegt: das ständige Beobachten der Stimmung. Selbst wenn gerade nichts passiert, läuft es im Hintergrund weiter, wie ein Programm auf dem Computer. Auf dem Bildschirm sieht man nichts davon, aber es kostet ständig Energie.

In Veränderungen sind sie die Geduldigen, die anderen Zeit lassen und sie in ihrem Tempo begleiten. Wird die Unruhe zu groß, halten sie zu lange am Gewohnten fest, ziehen mit, ohne voll dahinterzustehen, und schweigen, wo ein Gespräch nötig wäre. Am meisten schadet ihnen, wenn vertraute Routinen wegfallen und niemand erklärt, was an ihre Stelle tritt. Leichter wird es, wenn man eine große Veränderung in überschaubare Schritte aufteilt und Routinen erhält, die sich nicht ändern müssen.

iS und Si leben von Verbundenheit und Wohlwollen

Auf der rechten Seite des Kreises wird es fröhlich. Ordnet man Wörter wie fröhlich und heiter statistisch rund um den DiSG®-Kreis an, landen sie genau hier. Man könnte fast neidisch werden: Diese Menschen sind einfach glücklich. Sie kennen solche Kolleginnen und Kollegen. Ein Gespräch mit ihnen ist sehr echt, und hinterher fühlt man sich einfach gut.

Die Broschüre beschreibt diese Stile als akzeptierend. Das klingt zunächst nach einem netten, etwas schwachen Wort. In einer Veränderung ist es das Gegenteil. Wenn alle damit beschäftigt sind, sich zu beweisen oder zu schützen, ist ein Mensch, der andere einfach annimmt, ein Geschenk. Den Wert der Skeptiker auf der anderen Seite des Kreises sieht jeder sofort. Der Wert dieser Stile liegt auf der sozialen und emotionalen Seite, und den unterschätzt man leicht. Menschen mit diesen Stilen lassen Raum für die Reaktionen anderer, geben Rückhalt und glauben, dass alle ihr Bestes geben. Aber es ist nicht alles eitel Sonnenschein. Ihre Schattenseite: Sie laden sich den Stress aller anderen auf und legen manchmal zu vieles wohlwollend aus, auch wenn jemand in der Veränderung Probleme macht.

Was ihnen hilft, steht in der Broschüre in einer Zeile, die jede Projektleitung kennen sollte: „Anerkennen, was Menschen womöglich verlieren.“ Projektpläne zählen auf, was neu wird. Was dabei verloren geht, steht selten darin, und für diese Stile wiegt gerade das schwer: die Nähe zu Menschen, denen sie vertrauen, ein Team, in dem man sich gut kennt. Es hilft schon, diesen Verlust offen auszusprechen und zu fragen, was die Veränderung für den Einzelnen bedeutet. Schwer wird es für sie, wenn sich alle umstellen sollen und niemand darüber spricht, was sie gerade erleben.

Der i-Stil will mitten im Geschehen sein

Der i-Stil ist der am leichtesten messbare. Er verbindet die hohe Energie der oberen Kreishälfte mit der positiven Stimmung der rechten Seite, und wahrscheinlich genügen drei Fragen, damit jemand weiß, ob er einen i-Stil hat. Schwieriger ist die Frage, was darunter liegt. Gemocht werden? Verbindung? Begeisterung? Die Antwort umfasst all das: ganz lebendig sein im Moment, Teil dessen, was passiert, mittendrin statt am Rand. „Ich bin nicht hier, um am Rand zu sitzen und zuzusehen, wie das Leben vorbeizieht.“ Wo der G-Stil einen Schritt zurücktritt, stürzt sich der i-Stil hinein.

Dahinter steht, was Psychologen Affektintensität nennen: Manche Menschen erleben Gefühle größer als andere. Zwei Autofahrer werden geschnitten. Der eine verdreht nur die Augen, der andere rastet aus und hupt. Von außen ist es dasselbe Erlebnis, innen sind es zwei verschiedene.

Beim i-Stil sind es oft die positiven Gefühle, die größer ausfallen. Manche sehen ihre Lieblingsserie zum neunten Mal, andere mögen sie auch, haben aber nach einmal genug. Wer mehr davon hat, kommt immer wieder zurück. So geht es dem i-Stil mit Begegnungen: Wer daraus so viel Energie zieht, sucht sie immer wieder.

Für die Veränderung heißt das: Eine Grenze um sich zu ziehen, für den G-Stil eine gesunde Strategie, ist hier der Feind. Wer einen Menschen mit i-Stil aus dem Gespräch nimmt, nimmt ihm mehr als den Austausch, denn er erlebt die Veränderung erst im Gespräch mit anderen. In Bestform sieht er, was gelingen kann, und hält die anderen in Verbindung. Unter Frust nimmt er es persönlich, außen vor zu bleiben, und spricht Reaktionen aus, bevor er sie zu Ende gedacht hat. Nichts trifft ihn härter als eine Führung, die verstummt, sobald die Lage unsicher wird. Was hilft: ihm etwas geben, worauf er sich freuen kann, und für Kommunikation in beide Richtungen sorgen.

iD und Di wollen ihren Radius erweitern

Was treibt die Mischstile oben in der Mitte des Kreises an, iD und Di? Naheliegend wären Machen, Handeln, Ergebnisse, Unternehmergeist. Der eigentliche Antrieb ist größer: dass das Leben weiter wächst, durch neue Erfahrungen, größere Herausforderungen und mehr Einfluss. Wo manche in einer Landschaft Minen sehen, sehen diese Menschen lauter Süßigkeiten, die nur darauf warten, eingesammelt zu werden.

In Umbrüchen scheinen diese Stile am besten zurechtzukommen, manche sind regelrechte Agenten des Chaos: Gerät alles in Bewegung, sehen sie ihre Chance loszulaufen. Sie erkennen Chancen schnell und handeln, auch ohne alle Antworten. Das stimmt zu einem großen Teil, aber auch sie haben zu kämpfen. Ihr Problem beginnt, wenn die Veränderung Brücken einreißt, über die sie gehen wollten. Dann springen sie zur nächsten spannenden Sache, legen den Prozess großzügig aus oder erhöhen den Druck, mehr, als manchen lieb ist.

Was ihnen hilft: Leitplanken setzen und dann Raum zum Experimentieren geben. Was schadet, steht in der Broschüre so: „Mehrere Freigaben für etwas verlangen, das ich heute Nachmittag lösen könnte.“

Der D-Stil braucht Gestaltungsfreiheit

In DiSG® beschreibt man den D-Stil meist mit Kontrolle, und das ist eine Möglichkeit, ihn zu sehen. Genauer trifft es ein sehr starker Antrieb, handlungsfähig zu sein: die Fähigkeit, die Freiheit und die Macht zu haben, umzusetzen, was man will, und zwar dann, wenn man es will. Die Broschüre nennt diesen Antrieb Gestaltungsfreiheit. Dazu braucht es zweierlei, Entschlossenheit und das Vertrauen in sich selbst.

In unruhigen Zeiten läuft es für den D-Stil manchmal sogar gut. Tut er sich aber schwer, sehen wir darin meist eine Bedrohung seiner Ziele. Das stimmt, greift aber zu kurz. In einer Organisation arbeitet man mit anderen Menschen, hat einen Ruf und eine Zukunft. Eine Veränderung berührt dort nicht nur die Ziele von heute, sondern alle Ziele, die man dort noch hat. Und darunter ist etwas noch Wichtigeres bedroht: das Gefühl, handlungsfähig zu sein. Für diesen Stil ist das so zentral, dass es sich wie ein Angriff auf das eigene Selbst anfühlen kann.

Die Grundannahmen dahinter klingen etwa so: „Ich muss handlungsfähig sein, nur so kann ich mich schützen. Kann ich nicht gegenhalten, bin ich anderen ausgeliefert. Das ist inakzeptabel. Ohne Handlungsfreiheit werde ich kontrolliert, und ich kann nichts gestalten.“ Was seine Ziele bedroht, trifft deshalb etwas Existenzielles. Manchmal fällt die Reaktion so heftig aus, dass der Mensch selbst nicht genau weiß, warum.

In Bestform übernimmt er, wenn Führung gefragt ist, und macht aus Entscheidungen Taten. Unter Frust fegt er Bedenken beiseite und behandelt sie als Hindernis statt als nützliche Information. Ihm hilft ein klares Ziel mit dem Spielraum, den Weg dorthin selbst zu bestimmen. Und kaum etwas bringt ihn so auf wie der Satz, eine schlechte Entscheidung sei nun einmal „der Prozess“.

GD und DG wollen selbst entscheiden

Zum Schluss der Bereich, der im ganzen Kreis vermutlich am häufigsten missverstanden wurde: In den klassischen DiSG®-Mustern hieß er „kreativ“, wohl wegen der schöpferischen Spannung zwischen Erledigen und Richtigmachen. Mit Kreativität im üblichen Sinn hängt er aber kaum zusammen. Sein Antrieb klingt zunächst unspektakulär: selbst entscheiden können. Doch Entscheidungen sind der Kern unseres freien Willens. Man sagt, wir seien die Summe unserer Entscheidungen. Warum wiegt das gerade für diese Stile so schwer? Dafür gibt es drei Gründe.

Erstens zählen Standards, denn ohne sie hängt alles in der Luft, und man kann sich auf nichts einigen. Was vereinbart ist, gilt, das ist eine Frage der Integrität. Zweitens, und das hängt damit zusammen, haben sie ein feines Gespür für drei Arten von Problemen: Inkompetenz, Täuschung und Bequemlichkeit, bei Menschen ebenso wie bei Systemen. Drittens folgt daraus ein Schutzinstinkt, der innerlich ungefähr so klingt: „Mich legt keiner herein.“ Wer so gestrickt ist, will das eigene Urteil nutzen, hinterfragen, was nicht zusammenpasst, und zu eigenen Schlüssen kommen.

Zu den Aussagen, die diesen Bereich im Fragebogen am treffsichersten erfassen, gehören ganz offen Sätze über Gereiztheit, sinngemäß: „Unlogische Menschen ärgern mich schnell.“ „Inkompetenz macht mich ungeduldig.“ „Menschen, die ein wenig zu aufgekratzt sind, gehen mir auf die Nerven.“ Ich habe selbst einen DG-Stil und muss zugeben: Ich kenne alle drei Sätze.

In Veränderungen sind diese Stile unverzichtbar, gerade weil sie unbequem sind. Sie prüfen, ob die neue Richtung trägt, sprechen unbequeme Tatsachen an und halten dagegen, wenn etwas nicht stimmt. Druck verstärkt ihren Widerstand allerdings eher, als dass er ihre Meinung ändert. Ihnen hilft, den Plan hinterfragen zu dürfen, solange er noch nicht feststeht. Etwas mitzutragen, nur weil die Führung es entschieden hat, fällt ihnen schwer.

Es lohnt sich, sie zu gewinnen. Sind Menschen mit diesen Stilen nach ihrer Prüfung von einem Plan überzeugt, werden sie zu Verfechtern und Umsetzern, wie man sie bei kaum einem anderen Stil findet. Widerstand schreckt sie dann meist nicht ab, sie bleiben dran. Genau das brauchen Veränderungen: Gute Ideen gibt es in den meisten Organisationen genug. Was fehlt, sind Menschen, die eine Idee gegen alle Widerstände bis zur Umsetzung tragen.

Die acht Antriebe auf einen Blick

StilWas mich antreibtDas macht es leichterDas macht es schwerer
GEs richtig machenKlar benennen, was wir wissen und was nichtMeine Zustimmung erwarten, bevor die Begründung schlüssig ist
GS, SGStabilitätMir Zeit zum Nachdenken geben, bevor eine Zusage erwartet wirdNachvollziehbare Fragen wie Widerstand behandeln
SHarmonieEine große Veränderung in überschaubare Schritte aufteilenVertraute Routinen wegnehmen, ohne zu erklären, was an ihre Stelle tritt
iS, SiVerbundenheit und WohlwollenAnerkennen, was Menschen womöglich verlierenReaktionen anderer behandeln, als spielten sie keine Rolle
iMitten im GeschehenFür Kommunikation in beide Richtungen sorgenVerstummen, wenn die Lage unsicher ist
iD, DiMeinen Radius erweiternLeitplanken setzen und mir dann Raum zum Experimentieren gebenMehrere Freigaben für etwas verlangen, das ich heute Nachmittag lösen könnte
DGestaltungsfreiheitMir ein klares Ziel und Spielraum geben, den Weg dorthin selbst zu bestimmenMir bis ins Detail vorschreiben, wie ich meine Arbeit erledige
GD, DGSelbst entscheidenMich einladen, den Plan zu hinterfragen, bevor er feststehtErwarten, dass ich etwas mittrage, nur weil die Führung es entschieden hat

Steht in Ihrem Team eine Veränderung an?

Wenn jede Person ihren Stil kennt, lässt sich vor der Ankündigung klären, was das Team braucht. Im kostenlosen Info-Gespräch mit disgprofil.eu besprechen wir den passenden Weg dorthin.

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Kapitel 3 von 6Führung

Was heißt das für die Art, wie Sie Veränderung führen?

Schauen Sie sich die rechte Spalte der Tabelle an. Dort steht kaum einmal der Inhalt einer Entscheidung. Es geht um Begründungen, die fehlen, um Stille, wo ein Gespräch nötig wäre, um Mitsprache, die nur gespielt ist, und um Verluste, über die niemand redet. Was eine Veränderung schwer macht, liegt also meist in der Art, wie sie geführt wird.

Darauf haben Sie Einfluss. Eine Veränderung lässt sich so ankündigen und begleiten, dass alle acht Antriebe ihren Platz finden. Dafür genügen vier Fragen, die Sie vor der nächsten Teamsitzung beantworten:

  • Warum, und was wissen wir noch nicht? Für G, GS, SG, GD und DG zählt die Begründung, und Ehrlichkeit über offene Fragen zählt mehr als eine glatte Präsentation.
  • Was bleibt? S, GS und SG brauchen die Zusage, was sich nicht ändert, und überschaubare Schritte für das, was sich ändert.
  • Wo können die Menschen mitentscheiden und sofort etwas bewegen? D, Di und iD wollen echten Einfluss statt Scheinbeteiligung und einen Ort, an dem sie gleich anpacken dürfen.
  • Wo gibt es Gespräch in beide Richtungen, und wer erkennt an, was verloren geht? Das brauchen i, iS und Si.

Die Kollegin vom Anfang, die drei Ideen hat, bevor die Folie zu Ende ist, will gleich anpacken, wie die Stile oben im Kreis. Wer die echte Begründung hören will, denkt wie der G-Stil. Der Dritte, der still wird, braucht Zeit und überschaubare Schritte, so wie der S-Stil. Und die Vierte, die nach dem Team fragt, sucht das Gespräch über das, was bleibt und was verloren geht. Das brauchen vor allem iS und Si. Die Zuordnung ist ein Beispiel, kein Urteil.

Eine solche Ankündigung macht aus einer schwierigen Entscheidung keine leichte. Aber sie erspart dem Team viele Kämpfe, die gar nicht der Sache gelten.

Kapitel 4 von 6Im Team

Wie besprechen Sie das mit Ihrem Team?

Mit einer Teamsitzung und den Diskussionsfragen der Broschüre, vorausgesetzt, jede Person kennt ihren eigenen Stil aus ihrem Profil.

Die Broschüre „Veränderungen meistern“ ist so gebaut, dass eine Führungskraft sie auch ohne Moderationsausbildung nutzen kann. Auf der ersten Seite steht der DiSG®-Kreis. Alle schlagen die Seite ihres Stils auf und lesen, was dort über sie steht. Danach sucht sich das Team zwei oder drei der Diskussionsfragen aus:

  • Welche Teile der Beschreibung trafen in Veränderungsphasen am stärksten auf Sie zu?
  • Welcher Punkt unter „Was es schwerer macht“ löst bei Ihnen am ehesten eine negative Reaktion aus?
  • Welcher Punkt unter „Was es leichter macht“ würde Ihnen in einer schwierigen Veränderung am meisten helfen?
  • Welche 2–3 Dinge könnten wir als Team in Veränderungsphasen verlässlich tun?

Die Fragen funktionieren, weil sie nach Bedingungen fragen statt nach Schwächen. „Was macht es Ihnen schwer?“ lässt sich leichter beantworten als „Warum sind Sie dagegen?“, und die Antworten sind brauchbarer. Am Ende hat das Team sich nicht gegenseitig analysiert. Es hat eine kurze Liste dessen, was es in der nächsten Veränderung verlässlich tun will.

Grundlage ist das eigene Profil. Bei disgprofil.eu arbeiten wir dafür mit Everything DiSG® Workplace. Jede Person bekommt einen eigenen, rund zwanzigseitigen Bericht, der ihren Stil beschreibt und zeigt, wie er auf andere wirkt. Die Broschüre ersetzt das Profil nicht. Sie ergänzt es um die Frage, was der eigene Stil in einer konkreten Veränderung bedeutet.

Kapitel 5 von 6Hintergrund

Woher kommen diese Antriebe?

Ein Teil der Antwort liegt in sehr ursprünglichen Instinkten und in Strukturen unseres Gehirns, vor allem beim Unterschied zwischen oben und unten im DiSG®-Kreis.

Oben im Kreis stehen Menschen, die bestimmt, schnell und kühn auftreten, unten Menschen, die überlegt, in gemäßigtem Tempo und sorgfältig vorgehen. Oben geht es um den Drang, Dinge zu steuern, unten darum, sich anzupassen. In Reinform sieht man das bei Kindern: Das eine will sofort handeln und sich einbringen, das andere nicht. Diese Achse ist die stärkere der beiden im Modell und die am leichtesten zu messende. Die Persönlichkeitsforschung kennt ihn aus dem Fünf-Faktoren-Modell, das mit fünf Dimensionen beschreibt, worin sich Menschen unterscheiden. Die stärkste davon ist die Extraversion, und ihr ähnelt die Achse von oben nach unten im DiSG®-Kreis. In der Forschung heißt dieses Kreismodell interpersonaler Circumplex. Es bildet fast genau dasselbe ab wie DiSG®, ist aber weniger anwenderfreundlich.

Unter diesen Verhaltensweisen liegen zwei Systeme im Gehirn. Das eine bremst uns, wenn Gefahr droht. Fachleute nennen es Verhaltenshemmsystem. Es steht für einen der ältesten Instinkte überhaupt: nicht gefressen werden. Alle haben es, aber bei manchen ist es empfindlicher. Bei ihnen springt es eher an, bleibt länger aktiv und löst eher starke Gefühle aus. Das andere System zieht uns zu allem, was eine Belohnung verspricht, zu Chancen, Erfahrungen und Neuem. Wer eine Zimtschnecke sieht und sofort Lust darauf bekommt, spürt dieses System. Der Sozialpsychologe Jonathan Haidt nennt diesen Zustand den Entdeckermodus. Auch dafür sind Menschen unterschiedlich empfänglich.

Ganz unten im Kreis, bei GS und SG, ist das bremsende System besonders empfindlich. Oben, bei iD und Di, ist das ziehende stark und das bremsende oft gedämpft. Für mich erklärt das, warum dieselbe Ankündigung die einen beunruhigt und die anderen elektrisiert, ohne dass eine Seite unvernünftig wäre.

Kapitel 6 von 6Grenzen

Wo liegen die Grenzen?

DiSG® misst zwei Dimensionen menschlichen Verhaltens, nicht mehr. Kreativität etwa kommt darin gar nicht vor. Diese zwei Dimensionen sagen aber viel darüber, wie wir mit anderen zurechtkommen und wie es uns dabei geht. Und genau das steht auf dem Spiel, wenn sich die Lage ändert.

Drei Grenzen gehören dazu. Erstens ist ein Antrieb keine Ausrede. Wer „Ich bin halt G“ sagt, um eine Entscheidung aufzuhalten, dreht den Gedanken um. Es geht gerade darum, zu merken, wann man dem eigenen Antrieb folgt, obwohl die Lage etwas anderes braucht, und dann das Nötige zu tun. Zweitens ersetzt kein Profil einen guten Veränderungsplan. Fehlende Ressourcen, unklare Ziele oder eine schlechte Entscheidung bleiben, was sie sind, und manchmal hat die skeptische Kollegin mit DG-Stil schlicht recht. Drittens beruht jedes Profil auf Selbstauskunft und beschreibt Tendenzen, keine Gesetze. Es macht besprechbar, was sonst unausgesprochen bleibt. Die Arbeit machen die Menschen.

Veränderungen werden so bald nicht weniger. Vor der nächsten fragt man sich leicht, wer mitzieht und wer nicht. Weiter kommt, wer fragt, was jeder hier braucht, um mitzugehen. Wenn Sie vor einer solchen Veränderung stehen und Ihr Team vorher an einen Tisch holen möchten, sprechen wir bei disgprofil.eu gern mit Ihnen darüber, welcher Weg zu Ihnen passt.

Key Takeaways

  • Was in Veränderungen wie Widerstand aussieht, ist meist ein Antrieb, der sich bedroht fühlt.
  • Hinter den zwölf DiSG®-Stilen stehen acht Antriebe, von „Es richtig machen“ bis „Gestaltungsfreiheit“.
  • Unter Druck steuert der Antrieb das Verhalten, ganz gleich, was die Situation verlangt.
  • Das meiste, was eine Veränderung schwer macht, liegt in der Art, wie sie geführt wird.
  • Vier Fragen vor jeder Ankündigung: warum, was bleibt, wo Mitsprache möglich ist, wo es Gespräch in beide Richtungen gibt.

Häufige Fragen zu DiSG® und Veränderung

Woher kommt Widerstand gegen Veränderungen?

Häufig aus einem Antrieb, der sich bedroht fühlt. Im DiSG®-Modell hat jeder Stil einen eigenen, etwa Stabilität, Harmonie, Es richtig machen oder Gestaltungsfreiheit. Wer erkennt, welchen Antrieb eine Veränderung berührt, kann gezielt nachsteuern: mit einer Begründung, mit Zeit, mit echter Mitsprache oder mit einem Gespräch.

Welcher DiSG®-Stil tut sich mit Veränderungen am schwersten?

Keiner grundsätzlich. Jeder Stil tut sich an einer anderen Stelle schwer: S, GS und SG mit hohem Tempo und Ungewissheit, G mit unschlüssigen Begründungen, D, Di und iD mit Blockaden und Freigabeschleifen, i mit Funkstille, iS und Si mit übergangenen Gefühlen, GD und DG mit dem Druck, zuzustimmen.

Wie setze ich DiSG® im Change-Management ein?

Am wirksamsten vor und während der Veränderung. Alle kennen ihren Stil aus dem eigenen Profil, das Team bespricht in einer Sitzung, was jedem die Veränderung leichter oder schwerer macht, und die Führung richtet ihre Kommunikation danach aus: warum, was bleibt, wo Mitsprache möglich ist und wo es Gespräch in beide Richtungen gibt.

Braucht jedes Teammitglied ein eigenes Profil?

Für die gemeinsame Besprechung ja. Ohne Profil bleiben die Antriebe Vermutungen über andere, mit Profil spricht jede Person über sich selbst. Mit Everything DiSG® Workplace bekommt jede Person einen eigenen Bericht, der ihren Stil beschreibt und zeigt, wie er auf andere wirkt.

Porträtfoto von Philipp Kaiblinger

Philipp Kaiblinger · Autor

Philipp Kaiblinger ist Geschäftsführer von disgprofil.eu und planspielzentrum.eu. Seine Aufgabe: weltweit führende Lernsysteme für Organisationen einfach anwendbar machen — von Everything DiSG® bis zu Businesssimulationen.

Welcher Weg passt zu Ihnen?

Schildern Sie uns im kostenlosen Info-Gespräch, welche Veränderung bei Ihnen ansteht. Gemeinsam klären wir, ob ein Workshop, Profile für Ihr Team oder eine Ausbildung Ihrer Führungskräfte der passende Weg ist. Einen Überblick finden Sie unter DiSG® einführen.

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